Wer schon mal erlebt hat, wie ein Elektroauto bei -25°C plötzlich 40 Prozent seiner Reichweite verliert, versteht das Problem. In Regionen wie Xinjiang sind solche Temperaturen Alltag – und für Logistikflotten, Bergbaubetriebe oder Batterietausch-Netzwerke bedeutet das massive Ausfälle und Kosten. Genau hier setzt CATLs neue Plattformarchitektur an.
Auf einer Veranstaltung des chinesischen Industrieministeriums MIIT stellte CATL das Konzept "One Shell, Two Cells" vor: ein standardisiertes Batteriegehäuse, das wahlweise Lithium- oder Natrium-Ionen-Zellen aufnehmen kann, bei identischen Außenmaßen. Entwickelt wurde die Architektur unter CTO Lin Jiubiao. Der praktische Vorteil liegt auf der Hand: Batterietausch-Netzwerke wie NIOs Swap-Stationen oder CATLs eigenes EVOGO-System könnten in kalten Nordprovinzen einfach Natrium-Packs einsetzen, im wärmeren Süden Lithium, ohne die Infrastruktur anzufassen. Kein Umbau, kein Redesign.
Parallel dazu meldet die gesamte Lieferkette einen Meilenstein: 15.000 Ladezyklen, was Betriebszeiten von rund 20 Jahren entspricht. Kathodenhersteller Ronbay Technology hat diesen Wert für sein Natrium-Eisen-Phosphat-Material bestätigt und will seine Produktionskapazität bis Ende 2026 von 6.000 auf 28.000 Tonnen ausbauen. Auch bei den Anoden tut sich etwas: Wanhua Chemical arbeitet an synthetischen Hartkohle-Anoden, die die bisherige Abhängigkeit von importierten Kokosnussschalen beseitigen sollen, mit Zielkosten unter 25.000 Yuan pro Tonne langfristig.
Im Hintergrund läuft CATLs Lithium-Geschäft derweil auf Hochtouren: Im April 2026 installierte das Unternehmen allein in China 29,06 GWh, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Marktanteil von 46,6 Prozent. Natrium soll Lithium also nicht ersetzen, sondern ergänzen, dort, wo Lithium schlicht an seine Grenzen stößt.
Quellen
- 01CarNewsChinacarnewschina.com/2026/06/08/catl-reveals-one-shell-two-c…